Rezension | Roman

Rezension: Dieser Beitrag wurde entfernt von Hanna Bervoets

Juli 25, 2022

Titel: Dieser Beitrag wurde entfernt

Autorin: Hanna Bervoets

Übersetzer: Rainer Kersten

Verlag: Hanser Berlin

Seitenzahl: 112

ISBN-10: ‎3446273794

ISBN-13: 978-3446273795

Preis: 20,00 Euro

Meine Meinung:

“Dieser Beitrag wurde entfernt” ist ein Roman der Autorin Hanna Bervoets. Auf dieses Buch bin ich mehr durch Zufall gestoßen, aber der Klappentext hat mein Interesse direkt geweckt, sodass ich sehr glücklich war es schon vorablesen zu dürfen.

In dieser Geschichte geht es um die Protagonistin Kayleigh. Kayleigh arbeitet seit kurzem in ihrem neuen Job bei HEXA und auch wenn die Arbeitsbedingungen sehr hart sind gefällt es ihr dort, nicht zuletzt, weil das Gehalt gut ist. Die schrecklichen und verstörenden Bilder behandelt sie mit professioneller Distanz. Als sich Kayleigh in ihre Kollegin Sigrid verliebt scheint ihr Glück vollkommen. Doch nach einiger Zeit beginnt das perfekte Bild zu bröckeln, Kollegen brechen zusammen oder hängen plötzlich Verschwörungstheorien an. Als sich auch noch Sigrid plötzlich distanziert muss Kayleigh sich fragen, ob sie die Einzige ist, die dem Job gewachsen ist, oder ob sie nur nicht merkt, dass sich ihr eigener moralischer Kompass auf gefährliche Weise zu verschieben beginnt …

Der Einstieg in diese Geschichte ist mir gut gelungen. Hanna Bervoets erzählt diese Geschichte aus Sicht der Protagonistin Kayleigh und in Briefform, was mir sehr gut gefallen hat. Ihr Stil ist nüchtern und das hebt manche der schlimmeren Inhalte, in meinen Augen, sogar noch deutlicher hervor. Es gibt keine Schnörkel und die Autorin kommt ohne viele Umschreibungen auf den Kern der Geschichte. Trotz der wenigen Seiten konnte ich die Charaktere und insbesondere die Protagonistin gut kennenlernen, was mir wichtig war.

Die Handlung um HEXA ist bewegend, obwohl Frau Bervoets ohne emotionale Beschreibungen auskommt. Die kurz angerissenen Inhalte, mit denen Kayleigh und ihre Kolleg*innen während ihrer Arbeit konfrontiert werden sind mir sehr unter die Haut gegangen, weil sie so aus dem Leben gegriffen sind. Klar sind es extreme Einblicke, aber diese gibt es durchaus, was auch dazu führte, dass mir manche Szenen und Inhalte auch nach dem Lesen noch durch den Kopf gehen. Ein großer Pluspunkt war, in meinen Augen, auch wie die Autorin nuanciert und klug auf die psychischen Komponenten eingeht und sie mir als Leserin überzeugend und empathisch nähergebracht hat.

Die einzigen Minuspunkte waren, für mich, zum einen, das sehr abrupte und offene Ende. Ich habe sogar nochmal zurückgeblättert und kontrolliert, ob ich nichts überlesen habe. Hatte ich leider nicht und das hat mich sehr ernüchtert. Man wird als Leser*in mit vielen Gedanken und Fragezeichen zurückgelassen und für mich waren es etwas zu viele. Zudem weiß man am Ende die Eindrücke, die man bisher von den Charakteren hatte, nicht mehr richtig zuzuordnen, was ich mir auch als Stilmittel der Autorin vorstellen könnte. Ich habe meine Einschätzungen hinterfragen müssen und konnte am Ende nur sprachlos zusehen wie Hanna Bervoets alles bisherige nimmt und einmal gut durchschüttelt.

“Dieser Beitrag wurde entfernt” ist ein bewegendes Buch, welches sehr zum Nachdenken anregt. Zudem wären die Inhalte perfekt um sich mit anderen auszutauschen. Mir ist es sehr unter die Haut und nicht aus dem Kopf gegangen, was mich fast über meine Kritikpunkte hinwegsehen lässt.

Meine Bewertung: 3,5 von 5

*RE

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  1. Das Buch klingt super spannend! Vor allem das Thema reizt mich hier, da ich es interessant finde, wie man mit den Dingen umgeht, die man im Hintergrund eines Social Networks oder einer ähnlichen Plattform zu sehen bekommt. Ich moderiere selbst auf einer Internetplattform, allerdings geht es da zum Glück überwiegend nur um Texte und auch eher um harmlose Trollereien, trotzdem habe ich dadurch eine persönliche Verbindung zu dem Thema. Zu meiner großen Freude habe ich gerade auch festgestellt, dass meine Onleihe das Buch im Angebot hat. Es ist direkt auf meine Merkliste gewandert und wird sicher nicht allzu lange darauf bleiben, bis ich es lese.

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