Rezension

Rezension: Sechs Koffer von Maxim Biller

November 25, 2018

Titel: Sechs Koffer

Autor: Maxim Biller

Verlag: Kiepenheuer / Witsch

Seitenzahl: 208

ISBN-10: 3462050869

ISBN-13: 978-3462050868

Preis: 19,00 Euro

Meine Meinung:

“Sechs Koffer” ist ein Roman des Autors Maxim Biller. Auf dieses Buch bin ich durch die Nominierung für die Shortlist des deutschen Buchpreises aufmerksam geworden. Der Inhalt klang für mich nach einer spannenden und vielschichtigen Geschichte, die direkt meine Neugier wecken konnte.

In dieser Geschichte geht es um die Familie Biller. Die Biller’s sind russisch – jüdischer Herkunft und einige von ihnen, so auch die Eltern des Ich – Erzählers sind nach Prag emigriert. Der Rest der Familie lebt über die ganze Welt verstreut und ihre Geschichte ist auch die Geschichte einer Flucht von Ost nach West. Die Tatsache, dass die Familie so zerrissen ist, hat viel mit dem Verrat an dem Großvater des Ich – Erzählers zu tun, dessen Kraft bis in die Gegenwart reicht und durch den die Familienmitglieder sich stets mit Zweifeln begegnen. Eines Tages beschließt der Protagonist Maxim herauszufinden, wer in der Familie den Taten wirklich verraten hat und stößt dabei auf Geheimnisse, die eigentlich ungelüftet bleiben sollten …

Der Einstieg in die Geschichte ist mir gut gelungen. Maxim Biller erzählt diese teilweise autobiographische Handlung aus Sicht von ihm als Jugendlicher, in Ich – Form. Was ich etwas störend fand waren die Wiederholungen, insbesondere die sexuellen Anspielungen des jungen Erzählers und das in gehäufter Form. Das war, in meinen Augen, aufgesetzt und mich hat es eher genervt, weil es auch keinerlei Relevanz für die Geschichte hatte. Insgesamt wirkte es wie oberflächliches Füllmaterial und das habe ich, insbesondere, neben den anderen wichtigen und weitreichenden Themen, leider als zu plump empfunden.

Die Inhalte sind sehr vielschichtig und der Autor verbindet geschickt, die politischen Hintergründe, in der jeweiligen Zeit, und persönliches Erleben, innerhalb der Familie Biller. Die Familienkonstellation hat der Autor gut dargestellt, sodass mir schnell aufgefallen ist, dass es mehrere Möglichkeiten zum Verrat am Taten gab und genau das machte die Geschichte richtig interessant. Die verschiedenen Erzählstränge werden von Herrn Biller gut verknüpft, auch wenn ich sagen muss, dass ich mir manchmal etwas mehr Emotionen gewünscht hätte. Es gibt zwar viele zwischenmenschliche Situationen, die das Potenzial dafür geboten haben, aber mir blieben die Charaktere leider zu fern, weshalb ich nicht richtig mit ihnen mitfühlen konnte.

Die Ausarbeitung der Charaktere ist solide und das Zusammenspiel hat der Autor interessant aufgebaut. Jede/r der Charaktere hat einige Ecken und Kanten, aber ich habe manchmal den nötigen Tiefgang vermisst. Den Spannungsbogen hat Maxim Biller sehr gut gehalten und er konnte mich dadurch ohne Probleme bis zum Schluss fesseln. Ich habe es genossen miträtseln zu können und nur Ahnungen und Vermutungen zu haben. Das Ende wirkt offen, aber ich meine wenige Kapitel vor dem Ende die Auflösung um den Verrat entdeckt zu haben.

“Sechs Koffer” ist eine vielschichtige Familiengeschichte rund um einen Verrat, die mich durch ihre Spannung und die interessanten geschichtlichen Hintergünde, trotz kleiner Schwächen, gut unterhalten konnte!

Meine Bewertung: 4 von 5

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