Rezension: “Es ist hell und draussen dreht sich die Welt” von Dita Zipfel

Titel: Es ist hell und draussen dreht sich die Welt
Autorin: Dita Zipfel
Verlag: Insel
Seitenzahl: 219
ISBN-10: 3458646124
ISBN-13: 978-3458646129
Preis: 23,00 Euro
Meine Meinung:
In dieser Geschichte geht es um die Protagonistin Linn. Linn wünscht sich schon länger ein Kind und sie ist auf eine künstliche Befruchtung angewiesen, weshalb ihr in wenigen Tagen ein perfekt gereifter Embryo eingesetzt werden soll. So lautet der Plan. Zunächst ist sie jedoch mit ihrem Partner und dessen Jugendfreund Felix und seiner Familie im Urlaub. Einem Urlaub, der nicht ganz ihren Vorstellungen entspricht, ebenso wie die Menschen, mit denen sie ihn verbringt.
Während Matze und Felix sich mit Crémant betrinken, angeln gehen und versuchen, die Statusunterschiede zwischen ihnen zu ignorieren, beobachten sich die Frauen distanziert. Linn, zerrissen zwischen dem unbedingten Wunsch, Mutter zu werden, und dem Zweifel, ob sie das überhaupt kann, eine »gute« Mutter sein, blickt mit einer Mischung aus Neid und Widerwillen auf Eva, die geduldig mit ihrem Sohn buddelt, ihn eincremt und tröstet und Sandkörner aus Babyaugen wischt. Jedoch entwickelt sich, zwischen geflüsterten Gesprächen und heimlichem Kiffen eine Nähe, die festgefahrene Bilder ins Wanken bringt. Eva und Linn verschieben sachte die Regeln und werden mehr als Freundinnen: Sie werden Verbündete.
Der Einstieg in dieses Buch ist mir gut gelungen. Dita Zipfel hat einen leicht zu lesenden umgangssprachlichen und flüssigen Schreibstil, der sich problemlos und angenehm lesen lässt. Die Autorin hat zudem ein gutes Gespür für feine Nuancen in zwischenmenschlichen Beziehungen und legt verstärkt Wert auf die Beschreibungen verschiedener Machtgefälle, psychologischer Aspekte, Emotionen und Grauzonen, die beim lesen dazu führen, das man auch über seine eigenen Einstellungen und Ansichten nachdenkt.
Die Themen bearbeitet sie dabei ungeschönt und hat auch die Charaktere so geformt. Als Leser*in bekommt man hier Figuren, insbesondere eine Protagonistin, die nicht nur Ecken und Kanten hat, sondern einen auch stellenweise sehr herausfordert. Das muss man mögen und ich fand es zwar, nicht immer einfach, mag es so aber mehr als klischeebeladene Figuren, deren Handeln vorhersehbar ist. Was die Autorin hervorragend transportiert sind die Emotionen der verschiedenen Figuren, weshalb mich vieles beim lesen bewegt hat und manches stark unter die Haut gegangen ist.
Die Handlung wird durch die Entwicklungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen getragen und es gibt mehrere potenziell triggernde Themen, denen man sich bewusst sein sollte. (TW: Abtreibung, unerfüllter Kinderwunsch etc.) Ich fand das Buch über weite Strecken richtig toll, aber leider war es am Ende so, dass mehrere Dinge passiert sind, die nicht zu Ende erzählt und auch nicht weiter begründet oder erklärt wurden. Das fand ich sehr schade, denn so hat mich die Geschichte etwas ernüchtert und mit einigen offenen Fragen zurückgelassen.
*RE


